Die Geschichte Berlins – Mittelalter bis Ende des Kaiserreichs

berlin_4Berlin kann auf eine wechselhafte Geschichte verweisen. Das erste Mal wurde die Stadt im 13. Jahrhundert schriftlich erwähnt. Archäologische Befunde lassen jedoch darauf schließen, dass zumindest seit dem 11. Jahrhundert in der Gegend des heutigen Berlins feste Siedlungen existierten. Offiziell gilt das Jahr 1237 als Geburtsjahr der Stadt am Spree.

Handelsstadt im Mittelalter

Im Mittelalter war Berlin eine wichtige Handelsstadt und wurde 1360 Mitglied des mächtigen Hansebunds. Um 1400 hat Berlin geschätzte 8.500 Einwohner.

Im Jahr 1411 beginnt schließlich die 500-jährige Herrschaft der Hohenzoller in Berlin. Der Nürnberger Burggraf Friedrich VI. wurde zum obersten Verweser der Stadt ernannt. In den nächsten Jahren kam es immer wieder zu Machtkämpfen, da die Bewohner ihren Status als Freie Stadt verteidigen wollten.

1486 machte Kurfürst Johann Cicero das Schloss zu Cölln zu seiner ständigen Residenz. Berlin wurde damit zur brandenburgischen Residenzstadt und musste seinen Status als Freie Stadt aufgeben.

Um 1500 wohnten in Berlin ungefähr 12.000 Einwohner.

Reformation und Aufklärung

1539 erreichte die Reformation Berlin. Kurfürst Joachim II. nahm am 1. November zum ersten Mal das Abendmahl nach lutherischem Brauch ein. 1540 wurde das neue Kirchenrecht offiziell verkündet. Berlin wurde lutherisch.

Der Dreißigjährige Krieg (1618 bis 1648) machte auch vor der Stadt an der Spree nicht halt. Am Ende der grausamen Auseinandersetzungen hatte sich die Einwohnerzahl auf unter 6.000 halbiert. Innerhalb von 40 Jahren sollte die Einwohnerzahl jedoch wieder auf 20.000 ansteigen. Dieser Anstieg war der wohlwollenden Immigrationspolitik und der religiösen Toleranz von Kurfürst Friedrich Wilhelm zu verdanken. So lud er 1685 die in Frankreich religiös verfolgten Hugenotten nach Berlin ein. 15.000 kamen der Einladung nach, von denen 6.000 schließlich in der Stadt sesshaft wurde. Mit der steigenden Bevölkerungszahl einher ging auch ein wirtschaftlicher Aufschwung.

1695 wurde von Kurfürst Friedrich III. der Grundstein zum zukünftigen Schloss Charlottenburg gelegt.

1701 wurde Berlin schließlich zur königlichen Residenzstadt Preußens, nachdem sich Friedrich III. zum preußischen König krönte und den Namen Friedrich I. annahm. Damit löste er einen Skandal aus, da er sich selbst die Königskrone aufsetzte und sich nicht von einem Bischof krönen lies.

Das Jahr 1717 dürfte jedem Schüler in Berlin ein Begriff sein. In diesem Jahr wurde die allgemeine Schulpflicht eingeführt. Bis wirklich alle Kinder die Schulbank drücken mussten, sollten aber noch Jahrzehnte vergehen.

1791 wird das von Carl Gotthard Langhans errichtete Brandenburger Tor eingeweiht. Zwei Jahre später erhielt der Prachtbau schließlich die bekannte Quadriga aufgesetzt.

Mit Anfang des 19. Jahrhunderts hatte sich Berlin zur Metropole gemausert. Rund 170.000 Einwohner wohnten in der preußischen Hauptstadt.

1844 wurde der Große Tiergarten als erster Zoo in Deutschland eröffnet. Über 60 Jahre lang sollte es der größte Tierpark der Welt bleiben.

Kaiserstadt Berlin (1871 – 1918)

1871 wurde Berlin die Hauptstadt des neuen deutschen Kaiserreichs. Die Stadt zählte damals 826.000 Einwohner innerhalb der Stadtgrenzen.

Sechs Jahre später im Jahr 1877 überschritt die Einwohnerzahl das erste Mal die Millionengrenze. Zu dieser Zeit war es bereits eine Wiege der sozialistischen politischen Bewegung, welche vor allem durch die prekären Wohnverhältnisse und die steigende Armut der Stadtbevölkerung genährt wurde.

1902 wurde die erste U-Bahn zwischen der Warschauer Brücke und dem heutigen Ernst-Reuter Platz eröffnet.

1907 wurde am Wittenbergplatz das berühmte Kaufhaus des Westens (KaDeWe) eröffnet.

1911 wurde die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften gegründet. Aus diesem Verein sollte die heutige Max-Planck-Gesellschaft entstehen. Berlin war zu diesem Zeitpunkt ein Zentrum der Kultur, Wirtschaft und der Wissenschaften.

1914 trat das deutsche Kaiserreich offiziell in den ersten Weltkrieg ein, der bis 1918 dauern und Millionen Tote fordern sollte. Während der Kriegsjahre wurde die Versorgungssituation in Berlin immer schlechter. Obwohl die Stadt selbst von Kampfhandlungen verschont blieb, sorgten Hunger und Kriegsmüdigkeit immer wieder für Streiks und Demonstrationen.

Am 9. November 1918 wurde die Abdankung von Kaiser Wilhelm II. verkündet. Das deutsche Kaiserreich war Geschichte.